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Die Frauenstatuette von Ölkam

Die Frauenstatuette von Ölkam wurde 1996 in der Kreisgrabenanlage von Ölkam bei St. Florian entdeckt. Im Rahmen einer Forschungsgrabung des Landesmuseums war die Fundstelle zu diesem Zeitpunkt bereits über mehrere Jahre hinweg untersucht worden. Kreisgrabenanlagen zählen zu den interessantesten prähistorischen Bodendenkmalen Europas. Sie bestehen aus ein bis vier konzentrisch angelegten Gräben mit Durchmessern von bis zu 180 Metern und sind aus Deutschland, Niederösterreich, Tschechien, der Slowakei und Westungarn bekannt. Ölkam ist das bisher einzige Beispiel aus Oberösterreich. Kreisgrabenanlagen liegen nicht isoliert, sondern immer in unmittelbarer Nähe zu zeitgleichen Ansiedlungen. Sie sind ein Phänomen des mittleren Neolithikums (Anfang bis Mitte des 5. vorchristlichen Jahrtausends).

Ihre Bedeutung und Nutzung ist seit Langem Gegenstand intensiver Diskussionen. Das heterogene Fundmaterial – zu dem auch Frauenstatuetten bzw. deren Bruchstücke zu zählen sind – sowie die aufwendige Errichtung und teilweise langfristige Nutzung lassen an kultische Nutzungen im weitesten Sinne denken. Doch auch profane Verwendungen, wie beispielsweise als Viehgehege, sind denkbar und wurden als mögliche Interpretation formuliert. Die strikte Trennung in sakrale und profane Lebens- und Nutzungsbereiche mag darüber hinaus eher eine moderne als eine prähistorische Sichtweise sein, weswegen Kreisgrabenanlagen potentiell auf unterschiedlichste Weise verwendet wurden.

Die Frauenstatuette stellt das einzige vollständige Fundstück von Ölkam dar. Sie fügt sich gut ein in das Spektrum von zeitgleichen Frauenstatuetten anderer mittelneolithischer Fundstellen der Lengyelkultur, mit der typischen Betonung von Oberschenkeln und Gesäß, während gleichzeitig die Brüste, Arme und Beine sowie der Kopf nur angedeutet bleiben. Reste von Farbspuren belegen, dass die Statuette ursprünglich bemalt war.

Auch die Figur lässt, was ihre Bedeutung und ihren Verwendungszweck angeht, an den kultischen Bereich denken, etwa an kultischen »Abfall«, der im Rahmen eines Rituals im Kreisgraben deponiert wurde. Andererseits ist ebenso gerechtfertigt, an eine Verwendung als Spielzeug zu denken. Die Vorstellungswelt der prähistorischen Menschen, und dazu zählt vor allem ihre Religion, ist nicht rekonstruierbar.
Jutta Leskovar

DIE FRAUENSTATUETTE
VON ÖLKAM
ca. 4800 v. Chr.
Gebrannter Ton, Höhe 17 cm
Sammlung Ur- und Frühgeschichte, o. Inv. Nr.

LITERATUR (AUSWAHL):
HANSEN 2007

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