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Eggelsberger Altar

Die ehemalige Marien-Wallfahrtskirche von Eggelsberg (Bezirk Braunau) erhielt 1481 einen großen Flügelaltar, der nach einem Brand spätestens 1661 dem jetzigen Barockretabel weichen musste. Erhalten blieben die beidseitig bemalten Flügel, die in die Sakristei und später ins Diözesanmuseum kamen, aus dem sie 1930 angekauft wurden.

Die Bilder zeigen Szenen aus dem Leben Mariens, beginnend mit ihrer Geburt. Hier fällt der Blick in eine Wöchnerinnenstube mit reichem Hausrat, in der die vornehm gekleidete Hebamme ihres Amtes waltet und die Magd das Bad für das Neugeborene bereitet. Während die Gemälde der Heimsuchung und Darbringung stark beschädigt und deshalb in der Ausstellung nicht zu sehen sind, zeigt die symmetrisch gestaltete Beschneidungsszene auf dem »Altar« des Tempels das Datum 1481 und vielleicht ein Künstlermonogramm.

Nur an Festtagen wurde der Altar geöffnet, um die aufwendiger gemalten, mit vergoldeten Brokatmustern versehenen Bilder der Sonntagsseite zu zeigen. Sie belegen, dass der Maler die neuesten Strömungen der deutschen Kunst kannte, von Friedrich Herlin und Hans Schüchlin bis zu Ludwig Schongauer und Hans Siebenbürger. Die (ebenfalls 1481 datierte) Verkündigung an Maria erfolgt in einem vornehm ausgestatteten Gemach, in das Gabriel mit einem dreifach versiegelten Brief eintritt, wobei Engel assistieren. In der Geburtsszene beten Maria und Josef sowie die Engel und die herbeigeeilten Hirten das nackt in einem Strahlenkranz liegende Kind an. Die Heiligen Drei Könige der Anbetung tragen der burgundischen Hofmode entsprechend kostbare, edelsteinbesetzte Gewänder. Der junge Afrikaner erlaubt sich sogar Modetorheiten wie hautenge Beinlinge und überlange Ärmel. Seine Kette erinnert an die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, der 1477 von den burgundischen Herzögen an die Habsburger überging. Kostbar sind auch die mitgebrachten Gefäße, darunter ein Greifenklau, von dem das Museum ein Beispiel besitzt. Der prägnante Kopf des ältesten Königs lässt an ein Porträt des Stifters denken, vielleicht Leonhard Pogenhofer, Inhaber der Burg Ibm und Stiefbruder des Passauer Bischofs Friedrich Mauerkircher. Der Zyklus schließt mit dem Letzten Gebet Mariens, wo Christus in einer Wolke erscheint und die Seele der Sterbenden liebevoll im Arm hält.
Lothar Schultes

EGGELSBERGER ALTAR
datiert 1481
Malerei auf Holz, jeweils Höhe 131 cm, Breite 109 cm
Sammlung Kunstgeschichte, Inv. Nr. G 60–63

LITERATUR (AUSWAHL):
LÜBBEKE 2003; SCHULTES 2005b, 104–109,
Abb. 211–219 und rücks. Umschlagabb.

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