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Hammerflügel

Für das Jahr 1843 verzeichnen die Eingangsprotokolle des Oberösterreichischen Landesmuseums einen besonderen Erwerb. Johann van Beethoven, ein Bruder Ludwigs, schenkte dem Museum ein Klavier aus dem vormaligen Besitz des Komponisten.

Jahrzehnte zuvor, 1795, war Johann seinem Bruder nach Wien gefolgt, wo er 1801 an der Universität die Apothekerprüfung ablegte. Nach Bemühungen, in verschiedenen Städten eine Apotheke zu übernehmen, hatte er schließlich 1808 in Linz mit dem Erwerb der Wasserapotheke »Zur goldenen Krone«
Erfolg. Später sollte er zum Inhaber der ersten Apotheke in Urfahr werden. Unternehmerisches Geschick ermöglichte den Ankauf eines Landgutes in Gneixendorf bei Krems. Ludwig van Beethoven besuchte sowohl Linz als auch Gneixendorf, in Linz stellte er 1812 seine achte Sinfonie fertig.

In Wien, einem Zentrum des Klavierbaus zur Zeit der Wiener Klassik, war Ludwig van Beethoven mit Wiener Klavieren und ihrem charakteristischen Klang, der von Zeitgenossen als flötenartig geschätzt wurde, vertraut. 1803 erhielt er einen hochmodernen Hammerflügel, produziert von den Brüdern Érard in Paris. Dieser unterschied sich von den Wiener Klavieren durch eine sogenannte Stoßzungenmechanik, für die eine größere Lautstärke und akustische Durchsetzungsfähigkeit kennzeichnend sind – allerdings um den Preis eines größeren Spielwiderstands, längeren Tastenfalls und von Repetitionsproblemen bei fein nuanciertem Spiel. Zu den Neuerungen am Érard-Flügel gehörten der größere Tastenumfang und das Vorhandensein
von vier Pedalen anstelle der in Wien üblichen zwei Kniedrücker.

Zeigte Beethoven anfangs noch Zufriedenheit mit dem Hammerflügel, so wich diese in den folgenden Jahren wieder. Zeugnis dafür geben einerseits das Klavier selbst und andererseits erhaltene Schriftzeugnisse Beethovens. Er ließ den Flügel von Klavierbauern in Wien mehrfach umbauen. So wurden etwa die Hebelverhältnisse der Tasten durch Versetzen der Waagpunkte verändert. Zuletzt beschwert sich Beethoven in einem Brief über die Unbenutzbarkeit seines Instruments. 1824 überließ er es schließlich seinem Bruder.

1843, also zehn Jahre nach der Gründung des Museums als »Verein des Vaterländischen Museums für Österreich ob der Enns mit Inbegriff des Herzogthums Salzburg«, gelangte der Érard-Flügel nach Linz. Ludwig van Beethoven besaß im Laufe seines Lebens mehrere Klaviere. Keines davon hat in vergleichbar unverfälschtem Zustand bis in die Gegenwart überdauert.
Stefan Gschwendtner


HAMMERFLÜGEL
SÉBASTIEN ÉRARD FRÈRES, Paris, 1803
F’ bis c’’’’, Stoßzungenmechanik, 4 Pedale (Dämpfung, Lautenzug, Moderator, Verschiebung = una corda),
Länge 222,5 cm, Breite 108,2 cm, Höhe 92,5 cm
Sammlung Musikinstrumente, Inv. Nr. Mu 61

LITERATUR (AUSWAHL):
HUBER 1990

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